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Hochtour 2002

Hier findet ihr Info's zu unserer im Sommer 2002 geplanten Hochtour im Mont Blanc Gebiet. Diese Seite war in erster Linie für Mitglieder des DAV Gießen gedacht, die sich für diese Veranstaltung anmelden wollten. Ich habe nachträglich einige zusätzliche Informationen und Bilder ergänzt, so dass auch andere Interessenten diese Inhalte für ihre eigene Tourenplanung verwenden können.

Aktuelle Informationen zu den Verhältnissen, Hütten etc. findet man beim Office Haut Montagne. Allerdings sollte man ein paar Französischkenntnisse haben, weil die Infos nur in Landessprache gegeben werden.

Zunächst der geplante Ablauf:

Zeitraum: 27.Juli - 03.August 2002

Standort: Verschiedene Hütten im Gebiet: Refuge des Conscrit, Refuge Durier, Goûter Hütte, Refuge des Cosmiques, Rifugio Torino.

Geplanter Ablauf:
Nach der Anreise am Samstag früh steigen wir etwa 1400 Höhenmeter von Les Contamines zum Refuge des Conscrit (2604m) auf, einer relativ neuen Hütte im futuristischen Design.

Refuge des Conscrit

Als Eingehtour ist die Überschreitung der Dômes de Miage vorgesehen mit Abstieg zur Durier Hütte (3369m). Diese Überschreitung stellt noch keine technischen Anforderungen aber sie bietet doch einige schöne Gratabschnitte, wie die beiden folgenden Aufnahmen zeigen. Wenn das Wetter mitspielt, bietet dieser Berg also den idealen Einstieg in die Tourenwoche.

Domes des Miage 1

Domes des Miage 2

Von der Durier Hütte geht es dann am nächsten Tag über die Aiguille de Bionnassay (4052m, PD+, bis 55°). Dieser Berg ist jetzt schon deutlich anspruchsvoller, der Grat schärfer und auch der Weg bis zu diesem Grat ist schwieriger, als der Auftakt vom Vortag. Leider habe ich keine Bilder von dieser Überschreitung, weil sie wegen Schlechtwetter ausgefallen ist. Es gibt deshalb nur die Ansicht von den Dômes des Miage. Links ist der Gipfel der Aiguille de Bionassey zu erkennen. Von diesem Gipfel aus führt ein scharfer Grat (AD) zum Dôme de Goûter (4304m), der in der Bildmitte zu sehen ist.

Ag de Bionassey 2

Und es gibt eine zweite Ansicht des Grats von der Ag. de Bionassey zum Dôme de Goûter im Profil, wie er sich von der Goûter Hütte aus präsentiert.

Ag de Bionassey

Vom Gipfel des Dôme de Goûter werden wir dann an diesem Tag zur Goûter Hütte (3817m) absteigen, um dort die Nacht zu verbringen.

Am nächsten Tag sollen Mont Blanc, Mont Maudit und Mont Blanc du Tacul überschritten werden mit Abstieg zum Col du Midi und Gegenanstieg zur Aiguille du Midi. Das nächste Foto ist von von dort aufgenommen. Ganz rechts ist der Dôme de Goûter zu erkennen. Von dort nach links verläuft der Aufstieg entlang des Bossesgrats zum Mont Blanc Gipfel (4807m). Links sieht man den Gipfel des Mont Maudit, der auf dem Abstieg vom Mont Blanc noch "mitgenommen" werden soll. Diese Tagesetappe ist zwar technisch nicht besonders schwierig aber sie ist sehr lang und führt uns in große Höhe.

Mont Blanc

Nach der Talfahrt mit der Seilbahn tut uns allen dann sicher eine Übernachtung im Tal gut. Wenn bis dahin alles optimal abgelaufen ist, dann können wir uns noch den Rochefortgrat vornehmen. Wir müssen zunächst auf die Südseite des Massifs wechseln und dort dann mit der Seilbahn zum Rifugio Torino fahren.

Nachtrag
Mittlerweile denken Pit und ich über eine Änderung im vorgesehenen Ablauf nach: Wir würden dann am ersten Tourentag auf die Conscrit-Hütte zurückkehren und dort eine weitere Nacht verbringen. Am nächsten Tag könnten wir den Nordgipfel der Aig. de Trelatete besteigen mit Überschreitung zum Dôme de Neige des Glaciers und wieder zur Hütte zurückkehren. Der Dienstag wäre dann ein halber Ruhetag, an dem wir nur zur Durier Hütte wechseln würden. Danach könnte dann das Programm weiterlaufen wie oben beschrieben. Dieser Ablauf hätte den Vorteil, dass wir für die Mont Blanc Überschreitung wesentlich besser akklimatisiert wären und diese damit sicher mehr geniessen könnten. Die Zugabe mit dem Rochefortgrat würde dann aus Zeitgründen natürlich entfallen.

Voraussetzungen: Erfahrung auf kombinierten Hochtouren (keine Anfängertour), sicheres Gehen mit Steigeisen im Firn/Eis bis 50° und im Fels bis Schwierigkeitsgrad III. Kondition für Gipfelaufstiege bis 7 h in Höhen über 4000m.

Und so war`s dann tatsächlich:

Bereits eine Woche vor dem Start war die Conscrithütte komplett ausgebucht. Deshalb sind wir am Anreisetag nur bis zur Tre-la-Tete Hütte (1970m) aufgestiegen. Der Hüttenwirt weist uns zwar darauf hin, dass wir für eine Besteigung der Domes de Miage bereits um 2 Uhr aufstehen sollten aber wir entscheiden uns trotzdem erst gegen 4:30 Uhr aufzubrechen, um die erste Etappe nicht bei Dunkelheit zurücklegen zu müssen. Es zeigt sich dann auch, dass der Weg auf dem unteren Teil des Tre-la-Tete Gletschers bei Dunkelheit nicht ganz leicht zu finden ist. Wenn man an dem Gletscherbruch ankommt, gibt es zwei Möglichkeiten für den Weiterweg zur Conscrithütte: möglichst an der linken Seite (im Aufstiegssinn) den Gletscherbruch (aper) hinauf und dann weiter an dieser Seite, bis links ein Pfad abzweigt, der steil in Serpentinen zur Hütte hinauf führt. Oder man steigt bereits vor der Steilstufe des Gletscherbruchs links an Ketten hinauf und gelangt so auf den markierten Weg zur Hütte. Diese zweite Variante ist etwas länger aber, wenn man erst mal die steile Wand an den Ketten überwunden hat, ist sie deutlich bequemer.
Nach zwei Stunden Aufstieg kommen wir an der Conscrithütte an, deponieren einen Teil des Gepäcks und steigen gleich weiter Richtung Col des Miages auf. Die Sonne brennt erbarmungslos in das Becken des Tre-la-Tete Gletschers und weicht den Schnee bereits am Morgen entsprechend auf. Wir erreichen so erst gegen 11 Uhr den Col des Miages und sind durch die fast 1600 Höhenmeter und die fehlende Akklimatisation ziemlich erledigt. Deshalb beschließen wir, die Tour abzubrechen und zur Hütte zurückzukehren, um am nächsten Tag einen neuen Versuch zu starten.
Die Lager in der fast neuen Hütte sind hell und sauber und so verbringen wir eine angenehme Nacht bevor wir am nächsten Morgen wieder zum Col des Miages hinaufsteigen. Da wir jetzt wesentlich früher unterwegs sind als am Tag zuvor, ist der Weg über den Gletscher deutlich angenehmer. Im Col angekommen, legen wir unsere Rucksäcke und die Seile ab und steigen so frei von diesem Ballast auf den höchsten der Domes des Miages, der jetzt rechts von uns liegt. Von diesem Gipfel aus können wir uns den Abstieg zum Refuge Durier anschauen, den wir für den nächsten Tag geplant haben.
Nach der Rückkehr zum Col beginnt dann unsere eigentliche Überschreitung der restlichen drei Domes in Richtung SW. Der Grat ist meist recht breit und so bleibt genügend Muße, die beeindruckenden Ausblicke zu genießen.

Col des Domes

Bei diesem Traumwetter wird uns rasch klar, warum diese Überschreitungen zu den beliebtesten Unternehmungen in der Mont Blanc Region zählt (Natürlich nicht so beliebt, wie der Normalanstieg auf den Monarchen selbst). Schließlich geht es recht steil hinab zum Col de la Berangere und wir können bereits die schwierigste Stelle der Überschreitung sehen, an der sich auch schon einige Seilschaften stauen: ein steiles Stück mit Altschnee, das man leicht aufsteigend quert, um zum felsigen Gipfelaufbau der Aig. de la Berangere zu kommen. Einige Seilschaften vor uns versuchen an dieser Passage zu sichern, was allerdings nur halbherzig geschieht und in den meisten Fällen einen Sturz warscheinlich nicht verhindert hätte. Wir sind bereits seit dem Col des Domes seilfrei unterwegs und lassen das Seil auch hier im Rucksack.

Ag de Berangere

Damit ist jeder für sich selbst verantwortlich und bei einem Sturz ist nicht gleich die ganze Seilschaft gefährdet. Tatsächlich erweist sich die Querung dann auch als viel weniger spektakulär, als es zunächst den Anschein hatte. Der Schnee ist ziemlich weich und es gibt tiefe Tritte von den Vorrausgehenden. Nach leichter Kletterrei über grobes Blockwerk erreichen wir dann den Gipfel der Aig. de la Berangere und steigen von dort über die sulzige Flanke ab zur Conscrit Hütte.
Der Wetterbericht für den nächsten Tag verspricht für die erste Tageshälfte noch gutes Wetter, dass aber nachmittags dann von einer Gewitterfront abgelöst werden soll, die eine generelle Wetterverschlechterung einleitet. Um diesen guten Tag nicht mit dem Hüttenwechsel zu verschwenden und dann noch unter Umständen bei wirklich schlechtem Wetter in der Durier Hütte festzusitzen, beschließen wir den Nordgipfel der Aig. de Tre-la-Tete (3892m) zu besteigen. Von der Überschreitung dieses Berges, von der wir gelesen haben, rät der Hüttenwirt uns ab. Der Anstieg zum Nordgipfel ist nur mit PD bewertet, allerdings hat mich die Ansicht des Anstiegswegs von den Domes des Miage bereits ziemlich beeindruckt.
Wir steigen also zum dritten Mal hinauf in Richtung Col Infranchissable, wenden uns aber jetzt nach Südosten zur Nordflanke der Tre-la-Tete. Die Überwindung des Bergschrunds direkt unterhalb der Felsen der Tete Carree ist bereits das erste Hindernis. Dann folgt der Aufstieg über die anhaltend steile Firnflanke (ca. 40°). Die Firnverhältnisse sind allerdings phantastisch und so kommen wir gut voran. Bald haben wir die Flanke unter uns und gelangen in flacheres Gelände. Jetzt müssen wir nach links hinauf zum Grat steigen. Es wird jetzt nochmal steiler aber da die Bedingungen bisher so gut waren und wir uns entsprechend sicher fühlen, bleiben die Rucksäcke und die Seile liegen. Es sind schließlich nur noch etwa 200 Höhenmeter und warum sollen wir den Ballast mitschleppen.

Ag de Trelatete

So geht es rasch hinauf zum Grat und leicht rechts von diesem weiter hinauf Richtung Gipfel. Der Grat steilt weiter auf und bietet kurz unterhalb des Gipfels sicher 55 Grad Neigung. Leider treffen wir hier auch auf blankes Eis und das angenehme Steigen im griffigen Firn hat ein Ende. Jetzt könnten wir ein Seil gut gebrauchen, um den Abstieg zu sichern. 50 Meter wären genug, der eigentliche Gipfelbereich wird wieder flacher. Die Seile aber liegen viel weiter unten liegen und so verzichten wir auf die letzten Meter zum Gipfel. Wenn hier einer ausrutscht, findet er sich im Nu 800 Meter tiefer wieder, die gesamte Flanke bietet keinen Halt und ist so steil, das eine solche Rutschpartie erst am Wandfuß zu Ende wäre. Wir begnügen uns mit der Besteigung eines Vorgipfels am Grat und genießen von dort die tolle Aussicht auf die Südseite des Mont Blanc bevor wir wieder absteigen. Wir stehen um 10:20 Uhr am Wandfuß und machen eine kurze Pause. Die Sonne hat jetzt den felsigen Grat erreicht, der über dem unteren Teil unserer Aufstiegsspur liegt. Sofort beginnen auch in diesem Bereich Steine zu fallen und wir sind froh, in sicherer Entfernung auf dem Gletscher zu stehen. In einem Bericht habe ich gelesen, dass man auch über diesen Grat aufsteigen kann, allerdings hat der Autor sich auch über diesen Geröllhaufen beklagt und so ist der Weg über die Flanke sicher vorzuziehen. Nachmittags ziehen tatsächlich Wolken auf und bringen die angekündigte Wetterverschlechterung. Da bis zum Wochenende keine Aussichten auf besseres Wetter bestehen, brechen wir unsere Tour ab und fahren nach Hause. Die eigentliche Überschreitung des Mont Blanc Massifs muss noch etwas warten.

   © 2008 by J. Dersch•   juergen@jdersch.de